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Risiken
erkennen,
Prüfungen
managen,
Lösungen
abwägen

Foto : picture alliance / Minden Pictures

In Zeiten wachsender Transparenz gewinnt Tax Controversy an Bedeutung. Der Umgang mit steuerlichen Risiken ist ein komplexer Vorgang

Der Head of Tax ist überrascht. Eine ausländische Betriebsprüferin will bei einer Tochtergesellschaft hohe Nachzahlungen festsetzen, weil immaterielle Wirtschaftsgüter nicht bei der Festlegung der Verrechnungspreise berücksichtigt worden seien. Dabei, wundert sich der Steuerabteilungsleiter nach einem Blick in das weltweite Verrechnungspreissystem des Konzerns, dürfte es in der entsprechenden Landesgesellschaft gar keine immateriellen Wirtschaftsgüter geben. Also reist er zur Besprechung mit den Prüfern an und legt die Dokumentation seines globalen Verrechnungspreissystems auf den Tisch. Nach der Präsentation erklärt die Prüferin freundlich, dass sie das System grundsätzlich verstanden habe und für plausibel halte, dass es aber offensichtlich in der Praxis Abweichungen gebe. Sie zieht ein Schreiben aus ihrer Mappe, das den Briefkopf der örtlichen Gesellschaft trägt und an die Regierung des Landes gerichtet ist. Darin beantragt der lokale CEO Fördergelder. Um die Voraussetzungen zu erfüllen, preist er die umfangreiche lokale Tätigkeit des Konzerns an und verspricht vielfältige immaterielle Wirtschaftsgüter, die vor Ort entstehen und genutzt werden sollen. Der Head of Tax ist entsetzt. Trotz einer Konzernrichtlinie, der zufolge solche Sachverhalte zu melden sind, ist die zentrale Steuerabteilung nie darüber informiert worden.

Behörden gehen in die Offensive

Derartige Unzulänglichkeiten kommen selbst bei Unternehmen mit einer globalen Steuerrisikostrategie vor. Häufig verfügen sie nämlich nicht über die Ressourcen und das nötige Know-how, um diese in der Praxis effektiv umzusetzen. Das ist gefährlich in Zeiten, in denen Tax Controversy – also die Vermeidung, Handhabung und Beilegung von Auseinandersetzungen mit Steuerbehörden – einen immer höheren Stellenwert gewinnt. Die wachsende Bedeutung ergibt sich zum einen aus der zunehmenden Transparenz. Die Finanzbehörden sind immer besser informiert, sei es durch den Austausch von Rulings, sei es durch SAF-T, Country by Country Reporting, Verrechnungspreisdokumentationen, durch gemeinsame oder gleichzeitige Betriebsprüfungen. Hinzu kommt, dass die Finanzbehörden immer offensiver ihre Steueransprüche einfordern.

Kleines Zugeständnis, große Wirkung

Wie gut sich die Finanzbehörden inzwischen vernetzen, zeigt folgender Fall: Eine kleine ausländische Vertriebsgesellschaft wird zum ersten Mal von der lokalen Betriebsprüfung unter die Lupe genommen. Der Prüfer verlangt, die operative Marge von bislang 2,5 Prozent, wie vom globalen Verrechnungspreissystem vorgesehen, auf drei Prozent zu erhöhen. Die Steuerabteilung hält die Anpassung zwar inhaltlich für falsch und ist von der Richtigkeit der bisherigen Marge überzeugt. Weil es sich aber nur um eine unbedeutende Gesellschaft und einen in absoluten Zahlen niedrigen Anpassungsbetrag handelt, stimmt die Steuerabteilung zu, um so die Prüfung zügig zu einem Ende zu bringen. Drei Monate später fordert in einem anderen Land der Betriebsprüfer einer deutlich größeren Vertriebsgesellschaft ebenfalls eine Anpassung der operativen Marge auf drei Prozent. Schließlich, argumentiert der Finanzbeamte, habe die Unternehmensgruppe diese Anpassung anderswo auch akzeptiert und es gebe aufgrund des vergleichbaren Funktions- und Risikoprofils der Gesellschaften keinen Grund für eine Abweichung. Unglücklicherweise hatte die Steuerabteilung nicht bedacht, dass der erste Prüfer im Rahmen des internationalen Informationsaustauschs seine Kollegen in den Ländern benachrichtigte, in denen das Unternehmen auch noch tätig ist.

Entdeckungsquote

Die Fälle zeigen, wie wichtig ein vorausschauendes steuerliches Risikomanagement ist. Tax Controversy muss lange vor einer Betriebsprüfung ansetzen. In dieser ersten Prevent-Phase dreht sich alles darum, möglichst viele Risiken zu erkennen und aktiv damit umzugehen. Um die interne Entdeckungsquote zu erhöhen, müssen alle steuerlich relevanten Sachverhalte aus der operativen Tätigkeit gemeldet und dokumentiert werden. Das ist auch deshalb erforderlich, um bei internationalen Sachverhalten eine einheitliche Argumentation aufzubauen.


Offene Verständigungsverfahren
in ausgewählten OECD-Ländern

2017


Quelle: OECD

Nur die Spitze des Eisbergs ist zunächst zu sehen. 85 bis 90 Prozent eines Eisbergs befinden sich unter der Wasseroberfläche.

Foto : picture alliance / Tobias Friedrich / WaterFrame

8,7 Millionen Konten

Angesichts der zunehmenden Transparenz von steuerlich relevanten Informationen wird die Bedeutung einer proaktiven Herangehensweise bei Tax-Controversy-Themen in Zukunft eher noch zunehmen. Nach einem Bericht der EU-Kommission haben die EU-Mitgliedstaaten zwischen Juni 2015 und Juni 2017 Informationen über fast 16 Millionen Steuerpflichtige in Bezug auf Einkünfte und Vermögen in Höhe von über 120 Milliarden Euro ausgetauscht. Im Rahmen des automatischen Informationsaustauschs über Tax Rulings und APAs waren zudem bereits im Jahr 2017 knapp 18.000 grenzüberschreitende Vorbescheide und Vorabverständigungen über die Verrechnungspreisgestaltung im zentralen Verzeichnis erfasst. Und der Austausch von Informationen über Finanzkontendaten (OECD-Common Reporting Standard) umfasste allein zwischen Mitte September 2017 und März 2018 Informationen über rund 8,7 Millionen Konten mit Finanzerträgen und Kontensalden am Jahresende in Höhe von 2.919 Milliarden Euro.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Daten von den Finanzbehörden systematisch unter Einsatz von IT-Lösungen und künstlicher Intelligenz ausgewertet werden. Und mit den Anzeigepflichten für Steuergestaltungen (Mandatory Disclosure Rules) steht die nächste Transparenzinitiative bereits vor der Tür: Ab Mitte 2020 müssen sogenannte Intermediäre (z.B. Steuerberater, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Banken, Versicherungen) mit einem gewissen Nexus zur EU – und in manchen Fällen auch die Steuerpflichtigen selbst – bestimmte grenzüberschreitende Steuergestaltungen an die Behörden melden. Diese Informationen sollen dann über ein Zentralverzeichnis ausgetauscht und sowohl veranlagungsunterstützend als auch gesetzgeberisch verwertet werden. Nach dem aktuellen Referentenentwurf des BMF, der im Übrigen auch noch Regelungen zur Anzeigepflicht von rein innerstaatlichen Gestaltungen enthält, soll in Deutschland jeder gemeldeten grenzüberschreitenden Steuergestaltung eine Registrierungsnummer zugeteilt werden, die dann auch in der Steuererklärung anzugeben ist – für die Finanzverwaltung eine wertvolle Unterstützung bei der BP-Vorbereitung.

Ansprechpartner Dr. Pinkas Fußbroich

pinkas.fussbroich@de.ey.com

Kontrollsystem

Die dafür notwendigen Prozesse können sich gut in ein vorhandenes internes Kontrollsystem einbinden lassen oder werden bei dessen Entwicklung am besten gleich mit berücksichtigt. Intelligente IT-Tools helfen bei der effizienten Durchführung, Koordination und Dokumentation. Wenn sie Risiken und potenzielle Streitfälle früh erkennen, haben Unternehmen auch die Möglichkeit, proaktiv Instrumente der vorbeugenden Streitbeilegung wie ein Advance Pricing Agreement (APA) oder ein außergewöhnlicheres Instrument, wie ein Beschwerdeverfahren bei der EU-Kommission (siehe Kasten „Beschwerdeverfahren“) zu nutzen. Betriebswirtschaftlich kann es aber auch sinnvoll sein, ein Risiko bewusst in Kauf zu nehmen. Ein steuerliches Risikomanagement hilft dann dabei, Risiken zu quantifizieren, eventuelle Offenlegungspflichten zu erkennen und die Dokumentation für eine potenzielle Prüfung vorzuhalten.

Öffentlich zugängliche Abschlüsse

Nicht zu unterschätzen in der Bedeutung ist die Ermittlung, Dokumentation und öffentliche Berichterstattung von Steuerrisiken in den veröffentlichten Abschlüssen und Disclosures nach IFRS, US-GAAP (inkl. 10-K Filings). Das Thema Tax Risk Reporting steht nicht zuletzt durch die seit Anfang 2019 anzuwendende Interpretation IFRIC 23 im Fokus von staatlichen Regulierungsbehörden (ESMA, SEC, DPR). Außerdem gehen auch die Finanzverwaltungen mittlerweile dazu über, die veröffentlichten Konzernabschlüsse und Finanzinformationen systematisch auszuwerten.

Grenzüberschreitende Betriebsprüfung

In Joint Audits, also gemeinsamen oder zumindest gleichzeitigen Betriebsprüfungen, betrachten Steuerbehörden in verschiedenen Ländern vorher festgelegte Sachverhalte gleichzeitig und stimmen ihre Ergebnisse miteinander ab. Ein Hauptanwendungsbereich von Joint Audits sind naturgemäß Verrechnungspreissachverhalte. Im Unterschied zu Verständigungsverfahren hat der Steuerpflichtige, wie in Betriebsprüfungen, üblicherweise eine aktive Rolle und kann seine Sichtweise darstellen. Der Weg ins Verständigungsverfahren bleibt grundsätzlich auch nach einer Joint Audit offen.


Joint Audits können helfen, langwierige Verständigungsverfahren zu vermeiden und schneller zu einem Ergebnis zu kommen, welches eine Doppelbesteuerung vermeidet. In einigen Fällen konnten Joint Audits innerhalb weniger Monate abgeschlossen werden und waren damit deutlich schneller als alternative Verfahren.


Steuerpflichtige haben keinen rechtlichen Anspruch auf eine Joint Audit. Diese kann jedoch vom Steuerpflichtigen angeregt werden und wird von den Finanzbehörden oftmals begrüßt, insbesondere bei komplexen internationalen Sachverhalten mit hohem Doppelbesteuerungsrisiko und entsprechend hohem Risiko eines Verständigungsverfahrens.

Prüfungen koordinieren

Wenn sich die Betriebsprüfung dann ankündigt, ist es für die zentrale Steuerabteilung wichtig, die laufenden Prüfungen international zu koordinieren. Dies ist die Phase Manage im Tax-Controversy-Ansatz. In einer Zeit, in der sich Finanzbehörden international immer mehr vernetzen, ist es für eine Steuerabteilung unerlässlich zu wissen, in welchen Ländern gerade welche Gesellschaften zu welchen Themen geprüft werden. Entsprechende Prozesse müssen sicherstellen, dass die Informationen über drohende und laufende Betriebsprüfungen abteilungs-, länder- und gesellschaftsübergreifend in der Steuerabteilung ankommen. Ein entsprechendes Tracking Tool (wie das EY Tax Audit Center) hilft, bei der Vielzahl von Informationen den Überblick zu behalten und die qualitativ und quantitativ relevanten Sachverhalte herauszufiltern.

Gemeinsame Prüfung

Darauf aufbauend kann die zentrale Steuerabteilung für die verschiedenen Ländergesellschaften eine einheitliche Argumentation und Dokumentation sicherstellen, sodass ein Austausch unter den verschiedenen Finanzbehörden nicht zu unangenehmen Überraschungen führt. Ggf. kann es sinnvoll sein, bei kritischen Sachverhalten eine gemeinsame oder gleichzeitige Prüfung anzuregen, um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden und zu einem konsistenten Ergebnis zu gelangen.

Nur Eisberge mit einer Mindestgröße von 10 nautischen Meilen Länge oder 20 nautischen Quadratmeilen erhalten einen Buchstaben, der für den Quadranten der Antarktis steht, und eine fortlaufende Nummer. Hier zu sehen: A68. Dies zeigt an, dass er aus Sektor A kommt und bereits der 68. riesige Eisberg ist, der in diesem Bereich seit 1976 gezählt wurde.

Foto : picture alliance / dpa

Lösungen suchen

Wenn trotz allem eine Einigung mit der Betriebsprüfung nicht möglich oder nicht sinnvoll ist, stehen dem Steuerpflichtigen diverse Möglichkeiten der Streitbeilegung offen. Dann beginnt für Tax Controversy die Phase Resolve. Im Rahmen einer wirtschaftlichen Analyse während einer Betriebsprüfung kann aber die Alternative, sich nicht zu einigen und eine gerichtliche Entscheidung anzustreben, durchaus vorteilhaft sein.

Rechtsmittel

Das klassische Rechtsmittel ist der Weg vor die lokalen Gerichte. Richter beurteilen den Fall als neutrale Instanz – im Gegensatz zu den profiskalischen Betriebsprüfern. Das kann einem festgefahrenen Fall zur Lösung verhelfen. Leider sind Gerichtsverfahren in der Regel langwierig. Festgesetzte Steuern sind dennoch zunächst zu begleichen oder werden nur mit hohem Zinsrisiko ausgesetzt. Je nach Land geht dem gerichtlichen Verfahren auch noch ein behördliches Einspruchsverfahren voraus. Dennoch kann in Fällen, in denen eine Einigung mit der Betriebsprüfung unwahrscheinlich ist oder zu hohen Kosten führen würde, ein solches Verfahren lohnenswert sein.

Beschwerdeverfahren

Immer wieder stehen gesetzliche Regelungen nicht im Einklang mit dem Unionsrecht oder werden von der Finanzverwaltung unionsrechtswidrig angewendet. So zum Beispiel in einem Fall, in dem die Finanzverwaltung den Gewinnabführungsvertrag mit einer B.V. niederländischen Rechts nicht anerkennen wollte. Trotz der unionsrechtlich gebotenen gesetzlichen Öffnung der deutschen Organschaft für EU-Kapitalgesellschaften mit deutschem Geschäftsleitungsort als Organgesellschaft im Jahr 2012 argumentierte die Finanzverwaltung, dass das niederländische Gesellschaftsrecht den Gewinnabführungsvertrag nicht kenne und die steuerliche Anerkennung der Organschaft an den gesellschaftsrechtlichen Voraussetzung scheitere. Die betroffene Gesellschaft hat gegen die Steuerbescheide Einspruch eingelegt und einen Weg gefunden, bereits im Einspruchsverfahren Hilfe von der EU zu organisieren – mit einer Beschwerde bei der EU-Kommission.

Nach Einlegung der Beschwerde mittels eines dafür vorgesehenen Formulars prüft die Kommission die Beschwerde und entscheidet grundsätzlich innerhalb von zwölf Monaten, ob sie ein formelles Vertragsverletzungsverfahren gegen das betreffende Land einleitet. Dem formellen Verfahren geht regelmäßig ein Pilotverfahren voraus, in dem das betroffene Land zur Stellungnahme aufgefordert wird. Ein laufendes Beschwerdeverfahren, das im Übrigen kostenfrei ist, wird von den Finanzämtern regelmäßig als Grund für ein Ruhen des Einspruchsverfahrens anerkannt. Leitet die Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren ein und zwingt den Mitgliedsstaat zur Anpassung der betroffenen Norm, besteht somit die Chance, dass ein dem Unionsrecht entsprechendes Ergebnis ohne den langen Weg durch die Instanzen der Finanzgerichtsbarkeit erreicht wird.

Ansprechpartner Tim Hackemann

tim.hackemann@de.ey.com

Verständigungsverfahren

Bei internationalen Sachverhalten stehen verschiedene Mittel der Streitbeilegung zur Verfügung. Eines der bekanntesten ist das Verständigungsverfahren auf Grundlage eines Doppelbesteuerungsabkommens ( DBA). Die Möglichkeiten und Aussichten eines solchen Verfahrens hängen stark vom Einzelfall ab: Ist der Fall dafür geeignet? Sieht das anwendbare DBA die Möglichkeit eines Verständigungsverfahrens vor? Schreibt das Abkommen eine Einigung zwingend vor oder kann das Verfahren auch ergebnislos enden? Schließlich stellt sich die Frage nach der Dauer des Verfahrens. Gibt es hierfür Vorgaben oder Erfahrungswerte? Die Zahl der Verständigungsverfahren wächst stetig, schließlich bieten diese Verfahren in einer Zeit zunehmender internationaler Vernetzung die Möglichkeit, einen internationalen Konsens zu erreichen und so Doppelbesteuerung zu vermeiden. Ein weiteres Instrument der internationalen Streitbeilegung sind Verfahren unter der EU-Streitbeilegungsrichtlinie. Die Rahmenbedingungen wurden kürzlich überarbeitet, um einen überschaubaren Zeitrahmen zu schaffen und die Verfahren dadurch für den Steuerpflichtigen attraktiver zu machen.

Achtung, Imageschaden!

Allerdings kann es sich manchmal auch lohnen, auf bestimmte steuerliche Gestaltungen oder die Einlegung von Rechtsmitteln von vornherein zu verzichten. Ein Beispiel: Die neue Patentbox in einem EU-Mitgliedsland hat es der Steuerabteilung angetan. Sie scheint wie zugeschnitten auf die Gegebenheiten des Unternehmens und es braucht nicht viele Anpassungen in der Struktur, um die Voraussetzungen zu erfüllen. Ein Ruling der ausländischen Steuerbehörden sichert die steuerlich vorteilhafte Position ab. Das Ruling unterliegt dem automatischen Informationsaustausch und die EU-Kommission leitet daraufhin ein Prüfungsverfahren ein, das im gegenwärtigen gesellschaftlichen Klima eine heftige öffentliche Debatte hervorruft. Das Unternehmen muss deshalb sogar Umsatzeinbußen in Kauf nehmen. Nach ausführlicher Prüfung kommt die Europäische Kommission zwar zu dem Ergebnis, dass die Rulings unionsrechtlich nicht zu beanstanden sind. Doch der Imageschaden bleibt bestehen, denn Unternehmen werden mehr und mehr von der Öffentlichkeit daran gemessen, wie viel Steuern sie bezahlen, wo sie diese bezahlen und ob sie ihren „fairen Anteil“ leisten.

EY TechTools

Lebenszyklus

Tax Controversy ist mehr als das Ringen um eine Einigung mit der Betriebsprüfung und die Durchführung von Rechtsbehelfsverfahren. Tax Controversy ist eher als ein Lebenszyklus vom aktiven steuerlichen Risikomanagement über die internationale Koordination von Betriebsprüfungen bis hin zu den unterschiedlichsten Werkzeugen der Streitbeilegung zu betrachten. Es geht darum, Unternehmen gut vorbereitet durch eine dynamische Welt zunehmender Steuerstreitigkeiten zu navigieren.

Aktuell bleiben

Dazu gehört auch, ständig über sich ändernde Rahmenbedingungen auf dem Laufenden zu sein. Hierzu noch ein weiterer Fall: Ein mittelständisches Unternehmen hat vor Jahren eine kleine Niederlassung zur Vertriebsunterstützung im Ausland begründet. Eine Prüfung ergab damals, dass die geplanten Aktivitäten nach lokalem Recht keine steuerliche Betriebsstätte begründen. Das Geschäft läuft gut, die Kollegen vor Ort können lukrative Aufträge vermitteln. Nach einiger Zeit erreicht die Steuerabteilung eine Anfrage der ausländischen Finanzbehörde mit der Bitte, die derzeit ausgeübten Funktionen der Niederlassung zu beschreiben. Da sich diese im Laufe der Jahre nicht verändert haben, wird die Frage mit der gleichen Funktionsbeschreibung beantwortet, die bereits bei der Eröffnung der Niederlassung verfasst wurde. Allerdings wurde zwischenzeitlich die Definition einer steuerlichen Betriebsstätte im Rahmen der BEPS-Initiative deutlich ausgeweitet und die tatsächliche Funktion der Betriebsstätte wird inzwischen recht eindeutig von der neuen Regelung umfasst. Die ausländische Finanzbehörde allokiert daraufhin rückwirkend Einkünfte auf die Niederlassung, die sich an den vermittelten Umsätzen orientieren, und setzt hohe Nachzahlungen samt Strafzinsen fest.

Eisberge nehmen unter Wasser häufig eine golfballartige Oberflächenstruktur an. Das führt zu einem ausgeglichenen Auftrieb. Große Eisberge benötigen drei bis vier Jahre, um zu schmelzen.

Foto : imago images / StockTrek Images

Streitbeilegungsrichtlinie

Die EU-Streitbeilegungsrichtlinie eröffnet Steuerpflichtigen die Möglichkeit, ein verpflichtendes und bindendes Verfahren zur Beseitigung von Doppelbesteuerung auszulösen. Kommt es zur Doppelbesteuerung, weil die beteiligten Staaten Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) unterschiedlich interpretieren, können Betroffene eine Beschwerde einlegen. Die beteiligten Staaten haben dann zunächst zwei Jahre Zeit, sich innerhalb eines Verständigungsverfahrens zu einigen und zur Einmalbesteuerung zurückzukehren, wobei die Frist um maximal ein Jahr verlängert werden kann. Gelingt dies nicht, ist ein Schiedsverfahren vorgesehen, in dem eine unabhängige Kommission einen Vorschlag unterbreitet. Dieser Vorschlag ist bindend, sofern die Staaten sich nicht auf eine alternative Lösung einigen.


Die Streitbeilegungsrichtlinie ergänzt die bestehenden Doppelbesteuerungsabkommen und steht allen Steuerpflichtigen in der EU offen. Sie geht deutlich über die bestehende EU-Schiedskonvention hinaus. Diese ist beschränkt auf Fälle der Gewinnabgrenzung zwischen verbundenen Unternehmen (Verrechnungspreise) und der Gewinnaufteilung zwischen Betriebsstätten. Die EU-Streitbeilegungsrichtlinie erfasst aber sämtliche Fälle von Doppelbesteuerung, so auch Qualifikationskonflikte. Die EU-Richtlinie sollte eigentlich bis zum 30. Juni 2019 in nationales Recht umgesetzt werden. Da Deutschland das Gesetzgebungsverfahren voraussichtlich erst im November 2019 abschließen wird, hat das BMF am 26. Juni 2019 vorab in einem BMF-Schreiben bekannt gegeben, dass trotzdem schon ab dem 1. Juli 2019 Streitbeilegungsbeschwerden beim BZSt eingereicht werden können.

Was EY bietet

Der Tax-Controversy-Ansatz von EY wirft mit seinen drei Bereichen Prevent – Manage – Resolve einen ganzheitlichen Blick auf das Thema. Er beinhaltet vielfältige Werkzeuge, um Unternehmen bei der Vermeidung, Handhabung und Beilegung von Auseinandersetzungen mit Steuerbehörden zu begleiten :


  • Von der Ist-Analyse über die Implementierung eines Steuerrisikomanagements bis zur Beratung zu verschiedenen Methoden der proaktiven Streitvermeidung im Bereich Prevent.


  • Von der Einführung von Prozessen der Prüfungskoordinierung über die Beratung von einzelnen Betriebsprüfungen bis zur organisatorischen und inhaltlichen Koordinierung von Betriebsprüfungen als Managed Service im Bereich Manage.


  • Von Kosten- / Nutzenanalysen über die Beratung zu verschiedenen Möglichkeiten der Streitbeilegung bis zum Führen der entsprechenden Verfahren im Bereich Resolve.

Tax Controversy Roadshow

14. Oktober Berlin
16. Oktober Stuttgart
18. Oktober Frankfurt
29. Oktober Hamburg

Auf unserer Roadshow an verschiedenen Standorten stellen wir Ihnen zahlreiche Praxisfälle der Betriebsprüfung vor, wie wir sie an der Seite unserer Mandaten erleben. Unser Ansatz Prevent – Manage – Resolve hilft uns dabei, ein proaktives Risikomanagement zu installieren.


Interessiert?

Dann schreiben Sie uns an: TLM@‌de.ey.com

Ihre Autoren

ALEXANDER GROSS

Partner, Head of Tax Controversy

Germany, Switzerland, Austria

alexander.gross@de.ey.com

MAX PAWELKA

Senior Manager Tax Controversy

Practice Group

max.pawelka@de.ey.com

DR. JULIANE SASSMANN

Partner, Head of Transfer
Pricing Controversy Germany,
Switzerland, Austria

juliane.sassmann@de.ey.com