Steuerquote


Wie gut sich die Steuerquote als Kennzahl zur Führung von Krankenhäusern eignet

In den Medien wird regelmäßig über Steuerquoten global tätiger Unternehmen wie Apple, Google oder Amazon berichtet und teils kontrovers diskutiert. Dabei sorgen Meldungen von sagenhaft niedrigen Steuerquoten regelmäßig für große Aufmerksamkeit. Selbst die OECD nimmt sich in ihrem BEPS-Aktionsplan unter anderem des Problems der systematischen Verminderung steuerlicher Bemessungsgrundlagen an. Die Steuerquote ist also in aller Munde und betriebswirtschaftlich eine von vielen möglichen Kennzahlen in der Unternehmenssteuerung, die häufig als Benchmark für Leiter von Steuerabteilungen herangezogen werden.


Doch kann die Steuerquote auch eine sinnvolle Kennzahl zur Führung von Krankenhäusern sein? Und falls ja, ist sie angesichts der erwähnten Meldungen überhaupt noch zeitgemäß?


Unter der Steuerquote eines Unternehmens versteht man ganz allgemein das Verhältnis des Steueraufwands zum Gewinn vor Steuern, häufig auch als ETR (Effective Tax Rate) bezeichnet. Die Berechnung erfolgt dabei als tatsächlicher und latenter Steueraufwand bzw. -ertrag im Verhältnis zum handelsrechtlichen Ergebnis. Das Ziel ist die Minimierung der Steuerzahlungen und mithin der Steuerquote. Grundsätzlich ist die Steuerquote eine branchenübergreifend relativ leicht zu vergleichende Kennzahl.


Für Krankenhäuser und Krankenhausträger lohnt sich aber ein genauer Blick. Zunächst kann eine Steuerquote immer nur dann als sinnvolle Kennzahl herangezogen werden, wenn überhaupt Steuern zu zahlen sind. Dies ist bei nicht gemeinnützigen Krankenhäusern zwar grundsätzlich weitgehend der Fall, zumindest im Bereich der Gewerbesteuer kann jedoch auch für diese Krankenhäuser eine weitgehende Steuerbefreiung greifen. Die Auswirkungen auf die Steuerquote verstehen sich von selbst. Unter sonst gleichen Bedingungen muss diejenige des Krankenhauses um den Gewerbesteueranteil geringer sein. Insofern erschwert dies zumindest den branchenübergreifenden Vergleich der Steuerquote mit Unternehmen, die vollumfänglich steuerpflichtig sind. Ein Vergleich mit anderen nicht gemeinnützigen Krankenhäusern bzw. Krankenhausträgern kann aber sinnvoll sein.


Bei gemeinnützigen Krankenhäusern, die überwiegend ertragsteuerbefreit sind, verliert die Steuerquote weiter deutlich an Aussagekraft. Sie kann sich in diesen Fällen nur noch auf den im Vergleich zum Gesamtunternehmen relativ geringen steuerpflichtigen Teil beziehen. In Bezug auf eine daraus abgeleitete betriebswirtschaftliche Steuerung kommt hinzu, dass gemeinnützige Krankenhäuser in der Regel im nationalen Kontext tätig sind und das Zusammenspiel verschiedener Steuerregime nicht zur Reduktion der Steuerbelastung nutzen können. Daher bleibt es für den steuerpflichtigen Teil der gemeinnützigen Krankenhäuser in aller Regel bei den in Deutschland geltenden Steuersätzen, sodass für diesen Bereich kaum Steueroptimierungspotenzial besteht. Allenfalls kann durch die Steuerung des auf den jeweiligen Standort bzw. die Gemeinde entfallenden anteiligen Gewerbeertrags eine Optimierung erfolgen. Hier könnte beispielsweise über die Zuordnung von Personal insbesondere im Verwaltungsbereich oder durch die Wahl des Zerlegungsmaßstabs eingegriffen werden. Letzterer ist zwar grundsätzlich die Summe der Arbeitslöhne, es kann jedoch bei gemeinnützigen Krankenhäusern auch mit guten Argumenten auf die Ergebnisse des steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs am jeweiligen Standort abgestellt werden.


Demzufolge bleibt insgesamt wenig Spielraum zur Beeinflussung der Steuerquote. Hinzu kommt, dass der Umfang ertragsteuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetriebe von Krankenhaus zu Krankenhaus stark schwankt und nicht zwingend in einem proportionalen Verhältnis zur Gesamtgröße des jeweiligen Klinikums steht. Entscheidender Faktor kann beispielsweise der Standort sein. Ein Krankenhaus im Stadtzentrum mit entsprechenden exklusiven Parkhauskapazitäten wird sicherlich höhere Gewinne in diesem Bereich erzielen als das Krankenhaus auf dem Land, in dessen Nähe kostenlose Parkplätze zuhauf zur Verfügung stehen. Die klassische Steuerquote würde also die Steuerbelastung eines relativ kleinen Geschäftsbereichs des Krankenhauses, nämlich den ertagsteuerpflichtigen Bereich, mit dem Gesamtgewinn ins Verhältnis setzen. Diese Quote lässt zwar Rückschlüsse auf den Umfang des steuerpflichtigen Bereichs im Verhältnis zum Gesamtumsatz des Krankenhauses zu, wird sich als echtes Steuerungsinstrument aber wohl in der Regel nicht eignen.


Es ist daher zu überlegen, durch welche Abwandlung der klassischen Steuerquote eine aussagekräftigere Kennzahl entstehen kann. Naheliegend ist dabei zunächst das Verhältnis der Steuerlast des Krankenhauses zum Ergebnis des steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs. Dies würde zumindest eine gewisse Vergleichbarkeit mit steuerpflichtigen Unternehmen ermöglichen. In aller Regel wird das Ergebnis des steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs jedoch nicht nach handelsrechtlichen Maßstäben ermittelt, sondern ausschließlich nach steuerlichen. Insofern wird sich bei dieser Herangehensweise eine kaum schwankende Steuerquote von um die 30 Prozent einstellen, je nach Gewerbesteuerhebesatz und eventuellen Verlustverrechnungsmöglichkeiten.


Schließlich könnte man überlegen, die Steuerquote als Verhältnis der Steuerlast zum Umsatz im steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zu berechnen. Aus dieser abgewandelten Steuerquote lassen sich für gemeinnützige Krankenhäuser wertvolle Rückschlüsse ziehen. Während bei gewerblichen Unternehmen eine niedrige Steuerquote durchaus erstrebenswert ist, kann bei gemeinnützigen Krankenhäusern bei einer Steuerquote von null auf mittelfristige Sicht eine Gefährdung der Gemeinnützigkeit abgeleitet werden. Denn als Ausfluss des gemeinnützigkeitsrechtlich verankerten Selbstlosigkeitsgebots in § 55 Abs. 1 Nr. 1 AO ist es für gemeinnützige Körperschaften grundsätzlich nicht zulässig, Mittel des ideellen Bereichs (insbesondere Mitgliedsbeiträge, Spenden, Zuschüsse, Rücklagen), Gewinne aus Zweckbetrieben, Erträge aus der Vermögensverwaltung und das entsprechende Vermögen zum Ausgleich eines Verlusts im steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zu verwenden. Eine (abgewandelte) Steuerquote von null impliziert ein Ergebnis im steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb von maximal null, möglicherweise sogar im gemeinnützigkeitsgefährdenden Verlustbereich.


Eine sehr niedrige abgewandelte Steuerquote wiederum legt einen im Verhältnis zum Umsatz relativ geringen Gewinn nahe. Dieser wiederum kann auf unrentable Geschäftsbereiche hindeuten, die auf ihre Wirtschaftlichkeit hin untersucht und eventuell angepasst werden müssten.


Im Gegensatz hierzu wäre eine relativ hohe Steuerquote kurioserweise geradezu wünschenswert, impliziert diese doch einen relativ hohen Gewinn im Verhältnis zum Umsatz. Dennoch ist auch hier Vorsicht geboten und ein betriebswirtschaftlich getriebenes Hinterfragen angezeigt. Wurden bei der Gewinnermittlung im steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb diesem tatsächlich alle angefallenen Aufwendungen korrekt zugeordnet oder wurde etwas übersehen?

Als Fazit ist festzuhalten, dass die Steuerquote bei Krankenhäusern und Krankenhausträgern eine von vielen Kennzahlen ist und vorrangig der Kontrolle der ermittelten Ergebnisse dienen sollte. Zur Führung und Unternehmenssteuerung von Krankenhäusern ist sie allenfalls in Teilbereichen geeignet.

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