Führung im Gesundheits­wesen


Worauf kommt es an?

Interview mit Konrad Kogler

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Nach 35 Jahren Tätigkeit im Dienst der öffentlichen Sicherheit, u. a. als Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit und Landespolizeidirektor für Niederösterreich, mag ein Wechsel ins Gesundheitswesen für manche überraschend erscheinen. Wo sehen Sie Parallelen und wo wesentliche Unterschiede zu Ihren bisherigen Tätigkeiten?

Konrad Kogler: Große Unternehmen sind heute mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert. Denken Sie nur an die zunehmende Digitalisierung, die eine Vielzahl neuer Chancen eröffnet, aber auch die Notwendigkeit zur Setzung von Maßnahmen für Unternehmen bedeutet. Oder die demografische Entwicklung, welche von enormer Bedeutung sowohl im Management des Generationenwechsels in den Organisationen als auch in Bezug auf die verstärkte Inanspruchnahme von Kliniken und Pflege- und Betreuungszentren ist.


Die Unterschiede ergeben sich in den Dienstleistungen selbst, d. h., dass die Managementleistungen sehr ähnlich sind, jedoch die konkrete Leistung im Sicherheits- bzw. im Gesundheitsbereich sich notwendigerweise erheblich unterscheidet.

Wir müssen junge Menschen für Berufe im Gesundheitswesen begeistern und qualifizieren. Das Employer Branding gewinnt hier an Bedeutung.

Konrad Kogler

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Die Schaffung der neuen NÖ-Landesgesundheitsagentur und die damit einhergehende Zusammenführung der 27 Klinikstandorte und 50 Pflegezentren ist eines der größten Reformvorhaben im österreichischen Gesundheitswesen in den letzten Jahrzehnten. Welche Learnings können Sie aus Ihren in der Vergangenheit begleiteten Strukturreformen hier einbringen?

Konrad Kogler: Die Schaffung der NÖ-Landesgesundheitsagentur erfolgt, um auch in der Zukunft eine bestmögliche Versorgung im Gesundheits- und Pflegebereich in Niederösterreich zu gewährleisten sowie bestmögliche Bedingungen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihre sehr fordernde Tätigkeit zu schaffen. Um diese Ziele zu erreichen, ist eine breite Beteiligungsmöglichkeit notwendig. Dadurch wird das Wissen insbesondere der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genutzt, die Teilnahme durch verschiedene Stakeholder ermöglicht und schlussendlich auch größtmögliche Transparenz geschaffen. Transparenz wirkt auch möglichen Sorgen und Befürchtungen entgegen.

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Diese Ausgabe der Health Care News beschäftigt sich insbesondere mit dem Thema „Kennzahlen und Führung“. Was macht eine gute Führungskraft Ihrer Meinung nach aus?

Konrad Kogler: Meiner Erfahrung nach erkennt eine gute Führungskraft die innerbetrieblichen Bedürfnisse wie auch jene der Kunden. Dazu benötigt sie Empathie und Achtsamkeit. Darauf aufbauend werden gemeinsam Ziele definiert und eine Strategie festgelegt. Und dann liegt es in der Verantwortung der Führungskraft, gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Umsetzung voranzutreiben. Sie sehen, die Schaffung größtmöglicher Teilhabe – was jedoch nicht mit basisdemokratischer Vorgehensweise verwechselt werden darf – ist meines Erachtens ein wesentliches Kennzeichen einer guten Führungskraft.

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Worin sehen Sie in Ihrer Rolle als Geschäftsführer für Personal und Organisation die größten Herausforderungen in den kommenden Jahren?

Konrad Kogler: Im Management des Generationenwechsels. Die große Herausforderung liegt in der hohen Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die unsere Kliniken und Pflege- und Betreuungszentren verlassen. Uns muss es gelingen, dieses Wissen nach Möglichkeit in der Organisation zu behalten. Gleichzeitig müssen wir eine Vielzahl junger Menschen für uns und unsere Berufe begeistern und auch qualifizieren. Hier stehen wir im Wettbewerb mit vielen anderen Unternehmen. Dem Employer Branding kommt hier meines Erachtens eine hohe Bedeutung zu.

KONRAD KOGLER

Mag. Mag. (FH) Konrad Kogler (54) ist seit April 2019 Geschäftsführer für Personal und Organisation der Niederösterreichischen Landeskliniken-Holding. Davor war er mehr als 35 Jahre bei der Polizei bzw. im Innenministerium tätig, davon mehrere Jahre als Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit und zuletzt als Landespolizeidirektor von Niederösterreich. Während seiner Polizeikarriere hat er große strukturelle Veränderungen mit begleitet, beispielsweise die Zusammenlegung von Polizei und Gendarmerie oder die Schaffung der neuen Landespolizeidirektion. Er ist verheiratet, hat vier Kinder und wohnt in Baden (Niederösterreich).