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Digital Health | Health Care News

Digital Health verändert alles?!


Prof. Dr. Peter Horn

Associate Partner EY für Digital Health und Medizinstrategie

Seit etwas mehr als einem halben Jahrzehnt befindet sich unsere Gesellschaft in einem grundlegenden Umbruch. Die Digitalisierung ist mittlerweile, losgelöst vom eigentlichen Begriff, zur treibenden Kraft der Veränderung in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft geworden – und somit auch zum festen Bestandteil unseres Alltags.


Die nahezu unerschöpflichen Möglichkeiten dieser technischen Revolution durchdringen alle Lebensbereiche und führen zu einer tiefgreifenden Veränderung unserer Kultur. Diese Entwicklungen erreichen in unterschiedlichster Form und Ausprägung auch das Gesundheitswesen. So erobern digitale Lösungen zunehmend den Gesundheitsmarkt, was die traditionellen Werte in rasantem Tempo verändert.


Einerseits können sich Patienten, aber auch Angehörige und im Gesundheitswesen Tätige immer aktiver in ihre Gesundheitsbelange einbringen und diese auch mitgestalten; andererseits ermöglicht die Digitalisierung in all ihren Facetten die Weiterentwicklung bestehender Therapien, aber auch die Entwicklung vollkommen neuer Therapie-, Vorsorge- und Betreuungskonzepte. Darüber hinaus erlaubt die Anwendung digitaler Lösungen die effizientere, wirtschaftlichere und im Endeffekt nachhaltige Nutzung der verfügbaren, begrenzten Ressourcen.


Das Gesundheitswesen transformiert sich. Einst stand die reine Krankenversorgung im Fokus, heute die integrale Gesundheit. Während beispielsweise früher die Leistungserbringung beinahe ausschließlich in Krankenhäusern und Praxen stattfand, ermöglicht Telemedizin heute eine zunehmend ortsungebundene und zeitlich flexible Versorgung. War das Patienten-Arzt-Verhältnis einst von einer Wissensasymmetrie zugunsten des Arztes gekennzeichnet, gewinnt der Patient bzw. Kunde zunehmend an Souveränität. Zentrale Werte des künftigen Ökosystems sind Kundenorientierung, Selbstverständlichkeit digitaler Lösungen, vernetzte Leistungserbringung und Omnipräsenz von Gesundheit.

Immer dort, wo technischer Fortschritt auf ein Gebiet mit ausgeprägtem Bezug zu menschlichem Miteinander trifft, treten Ängste zutage, werden Bedenken laut und Widerstände entwickeln sich. Diese sind teilweise berechtigt. Oftmals sind sie aber auch mangelndem Wissenstransfer und fehlender Information geschuldet. Es bedarf eines langfristigen Umdenkens.


Es ist evident, dass bereits die heutigen digitalen Lösungen die individuelle medizinische Behandlung deutlich verbessern können – dabei stehen wir erst am Anfang der Entwicklung. So werden wir in Zukunft persönliche Therapiekonzepte entwickeln können, mehr Menschen Zugang zu qualitativ hochstehender Gesundheitsversorgung ermöglichen und somit letztendlich das Gesundheitswesen verbessern. Auch erweitert sich der Begriff „Gesundheit“ grundlegend: Gesundheit „entsteht“ in allen Aspekten unseres Lebens. Deren Gestaltung wird zunehmend alle Lebenswelten beeinflussen.

Künftig wird der selbstbestimmte Mensch mehr denn je Gestalter seiner eigenen Gesundheit, aber auch Profiteur der Möglichkeiten der innovativen Medizin sein. Aufgabe der Digitalisierung im Gesundheitswesen ist es, diese grundlegenden Veränderungen und Möglichkeiten hin zu einer letztendlich besseren, patientenzentrierten Medizin aus technologischer Sicht zu ermöglichen.

Im Sektor Gesundheit entsteht ein neues Miteinander, das mehr Partner und Spieler beteiligt als je zuvor. Sie alle vereint das Bestreben, die Gesundheit des Einzelnen zu erhalten, zu verbessern und gegebenenfalls die Lebensqualität zu steigern. Ziel der digitalen Lösungen sollte es sein, ein wirtschaftlich stabiles, integrales Gesundheitssystem zu entwickeln. Dieses System wird eine Vielzahl von Lösungen enthalten: von individuellen Gesundheits-Apps über digitalisierte Gesundheitsakten, Diagnose-, Wissens- und Therapieplattformen bis hin zu digitalen Patientennetzwerken.


Es entsteht ein patienten- und nutzerzentriertes Ökosystem, getrieben von gesellschaftlichem Wandel und technologischen Innovationen. Plattformlösungen brechen die tradierte Silostruktur auf und bilden die Basis für sektoren- und professionsübergreifende Netzwerke. Wertschöpfung wird künftig vor allem durch die Vernetzung und Integration von Gesundheitsleistungen erzeugt, ebenso durch die konsequente Ausrichtung von Unternehmen auf die Verbesserung der Lebensqualität ihrer Kunden.

Anliegen dieses Newsletters ist es, wesentliche Beteiligte in diesem neuen Miteinander zu Wort kommen zu lassen. Es geht darum, aus ihrer Perspektive zu erfahren, wie sich die digitale Medizin entwickeln wird, worauf es ankommt und wo künftige Risiken und Limitationen liegen könnten.


Wir haben versucht, ein möglichst umfassendes Bild dieses neuen, patienten- und nutzerzentrierten Ökosystems zu zeichnen, um so der Antwort auf die Frage „Digital Health verändert alles?!“ so nahe wie möglich zu kommen.

Prof. Dr. Peter Horn

Digital Health und Medizinstrategie

Associate Partner EY


+49 30 25471 13579

+49 160 939 13579

peter.horn@de.ey.com

Prof. Dr. med. Peter Horn ist seit 2019 Associate Partner bei EY und bringt seine Expertise im medizinischen Bereich, seine Erfahrung im Führen interdisziplinärer Teams und sein Wissen auf dem Gebiet der Gesundheitsökonomie und Gesundheitsfinanzierung im EY-Health-Team ein. Seine Beratungsschwerpunkte sind die Digitalisierung des Gesundheitswesens sowie die Evaluierung und Entwicklung von Medizinstrategien.


Vor seinem Wechsel in die Beratung war Peter Horn in führenden Positionen in verschiedenen Krankenhäusern tätig, zuletzt sechs Jahre als Chefarzt einer Fachklinik für Neurochirurgie. Zu seinen weiteren beruflichen Stationen zählen leitende medizinische Positionen in renommierten Kliniken im In- und Ausland. Noch immer hält der Spezialist für Neurochirurgie Vorlesungen an einer Universität und hat bisher mehr als 50 wissenschaftliche Beiträge zu medizinischen und strategischen Themen veröffentlicht.