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Digital Health | Health Care News

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Perspektive eines Start-ups I

Der Health-Sektor ist einer der Wirtschaftszweige, denen die größten Potenziale durch die Digitalisierung prognostiziert werden.

Phillip Brandts

Partner etventure

Stellungnahme zu Digital Health aus der Perspektive eines Start-ups

Herr Brandts, wie beurteilen Sie die durch Digital Health initiierte Entwicklung aus der Perspektive von Start-ups? Was macht das Gesundheitswesen für Start-ups interessant? Wie kann das System von dem Impuls „von außen“ profitieren? 

Für Start-ups tut sich im Bereich Digital Health ein spannender Markt auf:


Der Health-Sektor ist einer der Wirtschaftszweige, denen die größten Potenziale durch die Digitalisierung prognostiziert werden. Gleichzeitig stehen wir hier – verglichen mit Handel oder Medien – noch ganz am Anfang. Eine große Chance für Start-ups!


Durch die Vorstöße von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich das Tempo auf der digitalen Autobahn spürbar erhöht. In Zukunft können Ärzte Apps auf Rezept verschreiben. Kassen können einfacher mit Start-ups kooperieren. Die Telemedizin soll „Alltag werden“.


Wir merken bereits, wie sich die etablierten Player wie Krankenkassen und Pharmaunternehmen mehr und mehr für Start-ups öffnen, um frische Ideen und Innovationen, die sie selbst nicht umsetzen können, für die großen Herausforderungen zu nutzen.

Persönliche Einschätzung von Phillip Brandts

1.


„Digital Health“ – was geht Ihnen bei diesem Terminus als Erstes durch den Kopf?

Ein Paradox: dass die Medizin durch Technik menschlicher wird. Indem Ärzte und Pfleger etwa durch Diagnose-Tools, Datenbanken und künstliche Intelligenz unterstützt und entlastet werden, bleibt ihnen – hoffentlich – in Zukunft mehr Zeit für die persönliche Betreuung und Ansprache der Patienten.

2.


Transformation und Digitalisierung – was ist gut daran?

Die Digitalisierung zwingt Unternehmen, sich über ihren Kern Gedanken zu machen: Worin besteht meine Daseinsberechtigung? Was kann ich besser als andere? Die Digitalisierung setzt oft eine Transformation im Sinne einer Verbesserung des gesamten Unternehmens in Gang. Am Ende stehen eine bessere Qualität des Produkts und eine mehr Sinn stiftende Arbeit.

3.


Welche Probleme bestehen und welche Lösungen sehen Sie?

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen hat viele Hürden: strenge Regulierung, extreme Fragmentierung (etwa 150 Krankenversicherer in Deutschland und eine unüberschaubare Anzahl Ärzte / Leistungserbringer) und oft kollidierende Interessen der Akteure. Die Lösung zur Überwindung dieser Hürden sehe ich in der Kooperation dieser Marktteilnehmer und der Innovationsfähigkeit von Start-ups. Denn nur zusammen sind diese Herausforderungen zu meistern. Die Lösung kann nur mithilfe von Plattformen und Netzwerken möglich werden.

4.


Wie wird das Gesundheitswesen in zehn Jahren aussehen?

Die Patienten-Selbstdiagnose per App und tragbaren Tools wird den Patienten die Möglichkeit geben, viele Erkrankungen zu Hause selbst zu diagnostizieren, ohne ins Krankenhaus gehen zu müssen. Große Datenmengen und künstliche Intelligenz werden zu enormen Fortschritten in der Diagnose und zu einer passgenauen Behandlung führen. Der Mensch wird in Klinik und Praxis entlastet – ich hoffe sehr, dass dadurch keine „Robotermedizin“ entsteht, sondern mehr Zeit für eine persönliche Patientenversorgung.

Phillip Brandts

Partner etventure


+49 30 254713 10987

+49 160 939 10987

phillip.brandts@etventure.ey.com

Phillip Brandts ist Partner bei der Digitalberatung etventure am Standort Berlin. Die zu EY gehörende Innovationsberatung implementiert Start-up-Arbeitsweisen in Konzernen. Bei etventure hat Phillip Brandts Digital- und Innovationseinheiten für Krankenkassen aufgebaut und zahlreiche Digitalprojekte im Life-Science-Umfeld umgesetzt.