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Digital Health | Health Care News

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Exkurs Smart Hospital

Bestandsgebäude können zum Smart Hospital werden. Viele Lösungen sind bereits heute verfügbar und warten auf ihren Einsatz.

Dr. Katrin Thies

Director EY Real Estate

Fabian Schuster

Partner EY Real Estate

Es sind nicht Mediziner, Pfleger oder Geräte, die Leben retten, es sind Informationen. Sicher, ohne Mediziner, Pfleger und Geräte geht es nicht. Wenn diesen jedoch die richtigen Informationen zur rechten Zeit am richtigen Ort zur Verfügung stehen – um wie viel besser könnten sie dann ihrer Berufung und Aufgabe nachgehen! Hier setzt unser Smart-Hospital-Gedanke an.


Smart Hospital heißt definitiv nicht, dass Patienten nur noch mit Maschinen zu tun haben. Ziel ist es, dass smarte Systeme Stützprozesse übernehmen und die Mitarbeiter wieder mehr Zeit für den Patienten haben. Denn so findet Wertschöpfung statt. Das Smart Hospital ist kein Selbstzweck, sondern dient in besonderem Maße dem Patienten-, aber auch dem Mitarbeitererlebnis.


Smart Hospital geht daher weit über Smart Building hinaus – es verbindet auf innovative Weise das Gebäude mit dem Betrieb.


Bei allen Smart-Konzepten geht es darum, Daten zu erfassen, auszuwerten und wertschöpfend nutzbar zu machen.

Smarter Gebäudebetrieb macht die Krankenhäuser nachhaltiger

In einem Smart Building werden Verbrauchskosten für Strom, Wärme und Kälte gesenkt, weil aufgrund ausgewerteter und in Echtzeit vorliegender Daten Verschwendung minimiert wird. Für ein Krankenhaus, das anders als Bürogebäude im 24-Stunden-Betrieb arbeitet und einen entsprechend hohen Verbrauch hat, ergibt sich hier ein besonders großer Hebel. Für die Nutzer kann Smart Building beispielsweise an einer intelligenten Aufzugssteuerung erlebbar werden. Diese sorgt für eine sinnvolle Aufzugsaus­lastung und geringere Wartezeiten.


Technische Anlagen werden aus der Ferne überwacht, gesteuert und diagnostiziert, sodass Ausfälle vermieden oder aber schneller behoben werden können. Die Zukunft liegt auch hier in selbstlernenden Systemen. In den letzten Jahren war zu beobachten, dass Gebäude immer technischer, wartungs­intensiver und damit teurer wurden – mit Investitionen in Smart-Building-Technologie kann nun der Turnaround gelingen.


Ein smartes Facility-Management-(FM-)System ermöglicht es der FM-Einheit, Störmeldungen schneller zu beheben und Serviceleistungen wie Reinigung oder Umzug besser zu erbringen. Flächen sind in der Regel eine knappe Ressource – bei einem smarten Flächenmanagement kann die Flächenbelegung besser und agiler erfolgen als in der alten, statischen Welt.

Das Krankenhaus als Healing Environment

Besonders bei Patienten, die einen längeren Krankenhausaufenthalt haben, spielt die Beeinflussbarkeit der Raumumgebung eine Rolle bei der Genesung. So sollte die Möglichkeit bestehen, das Raumklima (Temperatur, Licht) individuell zu beeinflussen. Akustische und optische Signale, die keinen qualifizierten Empfänger haben, gibt es in einem Smart Hospital nicht mehr.


Wenn zudem eine künstliche Intelligenz (KI) Zusammenhänge zwischen Raum- und Genesungsverlauf der Patienten auswerten kann, kann dies künftige Therapien unterstützen und Hinweise zur Umgestaltung des ambulanten oder häuslichen Umfeldes geben. Das Smart Hospital endet also nicht an der Krankenhaustür.

Das Internet of Things (IoT) unterstützt Mitarbeiter bei der Arbeit am Patienten und erhöht die Patientensicherheit

Im Krankenhausbetrieb geht für die Mitarbeiter viel wertvolle Zeit damit verloren, Gegenstände oder Personen zu suchen. Im Smart Hospital sind alle relevanten Gegenstände getaggt, sodass sie in Echtzeit lokalisiert werden können. Darüber hinaus ist ihr Status im System dokumentiert, sodass ihre Verfügbarkeit jederzeit zentral auslesbar ist.


Sensoren im Bett können beispielsweise feststellen, ob ein sturzgefährdeter Patient das Bett verlassen möchte, und einen entsprechenden Alarm beim zuständigen Pflegepersonal auslösen. Sie können darüber hinaus ermitteln, ob ein Patient eingeschlafen ist, und das Licht entsprechend dimmen oder ausschalten.


Mittels Sensoren und Scannern werden auch aufwendige Zähl-, Prüf-, Dokumentations- und Bestellprozesse (Medikamente, Verbrauchsmaterialien) in einem Smart Hospital automatisiert und deutlich verkürzt.


Der Trend geht schließlich auch dahin, Personal und Patienten mit entsprechenden Tags zu versehen. So kann festgestellt werden, wo sich ein Patient gerade aufhält, wie lange er möglicherweise in einem Bereich wartet, und auch die Verfügbarkeit des Personals kann auf diese Weise transparent gemacht werden. Diese Personenlokalisation bedarf allerdings einer besonders sensiblen Einführung unter Herausstellung der Vorteile.

Transparenz, Flexibilität und Selbstbestimmung zeichnen ein Smart Hospital aus

Die Patientendaten sind jederzeit für das behandelnde und pflegende Personal ersichtlich. Daten werden sofort und nur einmal – nach Möglichkeit automatisiert – erfasst. KI hilft dabei, die gewonnenen Daten in lernende Interventionsmodelle zu integrieren. Die Behandlungs- und Leistungsdaten gehen direkt in die Abrechnung ein, sodass Abrechnungsaufwand und ‑fehler minimiert werden.


Patienten bekommen die Möglichkeit, ihren Krankenhausaufenthalt weitgehend selbst zu bestimmen. Über Buchungssysteme können sie die erforderlichen Untersuchungen in ihren Tag integrieren, aber auch bereits gesetzte Termine (Visite) einsehen. Für sie passende Mahlzeiten und andere Leistungen können übers System bestellt werden. Die Buchungssysteme unterstützen auf der anderen Seite das Personal dabei, eine gleichmäßige Auslastung zu erreichen und für sich selbst und die Patienten Wartezeiten zu vermeiden.

Smart Hospital erfordert Umdenken

Der Mensch steht bei einem Krankenhaus im Zentrum der Wertschöpfung, daher müssen die Veränderungsprozesse, die mit der Implementierung von Smart-Hospital-Technologie einhergehen, sorgsam durch Change-Experten begleitet werden. Darüber wird sichergestellt, dass der Nutzen und die Anwendung von den Mitarbeitern verstanden und verinnerlicht werden.


Bei allen Digitalisierungsinitiativen müssen zudem die Datensicherheit, die Ausfallsicherheit und die Versorgungssicherheit im Vordergrund stehen. Ein Patient, der nicht willens oder nicht in der Lage ist, die zur Verfügung stehenden Systeme zu bedienen, muss dennoch angemessen medizinisch versorgt werden können. Es geht also nicht darum, eine 100-prozentige Lösung zu erreichen, sondern um eine deutliche Erleichterung im Vergleich zur heutigen Situation.

Was ist also der richtige Weg zum Smart Hospital?

Zunächst gilt es zu analysieren, wo die größte Verschwendung stattfindet, wo also die größten Hebel liegen. Dies ist nicht nur monetär zu verstehen, sondern auch bezogen auf die Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit. Anschließend sind Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen, die in einem Business Case abzubilden sind. Die Rückkopplung mit der Krankenhaus-IT spielt dabei eine wichtige Rolle, denn selbst wenn man sich zunächst für eine Start-up-Lösung entscheidet, muss das Ziel sein, die Lösung in die Krankenhaus-IT-Architektur einzubinden. Viele Lösungen sind bereits heute verfügbar und warten auf ihren Einsatz. Bestandsgebäude können zum Smart Hospital werden. Der Roll-out-Prozess darf in der Folge jedoch nicht nur ein IT-Projekt sein, sondern er muss ein Change-Projekt werden, um die volle Wirksamkeit zu entfalten.

Dr. Katrin Thies

Director EY Real Estate


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katrin.thies@de.ey.com

Katrin Thies ist Director bei der EY Real Estate in Stuttgart und Eschborn. Sie berät die öffentliche Hand bei ihren Transformations- und Bauprojekten, insbesondere im Gesundheitswesen. Neben dem Projektcontrolling liegt ihr Schwerpunkt auf der strategischen Beratung. Sie kombiniert dabei etablierte mit innovativen Methoden wie Design Thinking.

Fabian Schuster

Partner EY Real Estate


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fabian.schuster@de.ey.com

Fabian Schuster ist Partner bei der EY Real Estate in Stuttgart. Seine Beratungsschwerpunkte liegen im Bereich Real Estate Strategic Advisory sowie im Projektmanagement von großen und komplexen Transformationsprojekten (PMO). Zudem verbindet er Erfahrungen aus der Industrie mit dem Gesundheitswesen.